Meine Motivation
Mein christlicher Glaube ist für mich ein Geschenk:
gewachsen in einer Familie, in der Erdverbundenheit und kritische Kirchlichkeit miteinander ins Gespräch kamen, genährt von Menschen, die mir Türen und Herzen geöffnet haben.
Was mich geprägt hat, sind Begegnungen – mit Lehrern, Seelsorgern, Freunden und Weggefährten – und das Vertrauen, dass jeder Mensch eine unverlierbare Würde trägt.
Diese Überzeugung ist die Wurzel meiner Arbeit:
zuhören, begleiten, versöhnen, gemeinsam nach Sinn und Orientierung suchen. Wer Gottes Weisungen in sein Herz aufnimmt, findet Halt, wächst – und kann Frucht bringen.
Das ist die Einladung, die ich versuche zu leben und weitergeben möchte.
Zusammengefasst ist dies in einem kurzen Video.
Glücklich,
wer Gottes Weisungen in sein Herz nimmt
und über sie nachsinnt Tag und Nacht.
Der ist wie ein Baum,
der an einem Wasserlauf steht,
der Kraft hat, Frucht zu tragen,
wenn es Zeit ist,
und dessen Blätter nicht verwelken.
Glück und Gelingen liegen über seiner Arbeit.
Psalm 1, 2-3
Bibelperikope in der Übersetzung von Jörg Zink (1922-2016),
evangelischer Theologe, Pfarrer, Publizist, Pazifist
und besonders engagiert in der Umweltbewegung.
In: Das Alte Testament, Jörg Zink, Stuttgart, 5. Auflage, 1972, S. 507.
Bäume bleiben stehen...
Das „Fenster des Lebensbaums“ (Musterzeichnung für Sarrebourg, Chapelle des Cordeliers) von Marc Chagall, (1887-1985) jüdisch stämmig russisch-französischer Maler, der dem Expressionismus zugeordnet und als „Maler-Poet“ bezeichnet wird, inspiriert mich: tief verwurzelte Symbole aus Judentum und Christentum, die dennoch in die Gegenwart hineinwachsen. So verstehe ich auch Gesellschaft und Kirche – fest im Glauben gegründet, aber offen für Begegnung und Wandel.
Psalm 1 vergleicht den Glauben mit einem Baum an Wasserbächen. Für mich heißt das: Wir dürfen nicht ausschließlich auf unsere Wurzeln in Schrift und Tradition schauen, sondern auch auf das, was heute wächst – im Miteinander von Gemeinden, Engagierten und Suchenden, Kirchen-Nahen und Kirchen-Fernen.
Glaube lebt von Begegnung, nicht nur von Strukturen. Er braucht Menschen, die ins Gespräch kommen – über das, was trägt, und über das, was schwerfällt. Auch diejenigen, die der Kirche den Rücken gekehrt haben, gehören dazu. Sie sind wie Bäume am Weg, die uns mahnen, weiterzugehen.
Mein Wunsch ist es, dass wir ernsthaft und persönlich miteinander reden – über die Früchte unseres Lebens, über das, was dem Wohl einer Gesellschaft dient, und darüber, wie Gott sich heute als Baum des Lebens zeigt.
Du hast mich geträumt Gott
wie ich den aufrechten Gang übe
und niederknien lerne
schöner als ich jetzt bin
glücklicher als ich mich traue
freier als bei uns erlaubt.
Hör nicht auf mich zu träumen Gott
ich will nicht aufhören mich zu erinnern
dass ich dein Baum bin
gepflanzt an den Wasserbächen
des Lebens.
Dorothee Sölle (1929-2003)
evangelische Theologin, Poetin, Pazifistin
und besonders engagiert in der Frauen- und Umweltbewegung.
In: Loben ohne Lügen, Dorothee Sölle, Berlin 2000, S. 12.
Menschen müssen weitergehen...
Das Gedicht „Ich dein Baum“ von Dorothee Sölle inspiriert mich: Gott träumt uns schöner, glücklicher und freier, als wir uns selbst zutrauen. Verwurzelt an den Wasserbächen des Lebens sind wir eingeladen, beides zu lernen – den aufrechten Gang und das Niederknien vor Gott.
Für mich heißt das: Glaube ist nicht nur privat, sondern auch politisch. Er erhebt die Stimme für Gerechtigkeit und Demokratie, setzt sich für die Rechte von Ausgegrenzten, Schwachen und Bedürftigen ein und widerspricht dort, wo Menschenwürde verletzt wird.
Eine diakonische Kirche lebt von Menschen, die hinsehen und handeln – und darin Begleitung und Unterstützung finden. Zugleich darf die katholische Kirche ihre eigenen institutionellen Strukturen nicht aus den Augen verlieren. Mein Wunsch ist eine Amts- und Charismenstruktur, die Frauen wie Männern, verheiratet oder unverheiratet, gleichermaßen das Weiheamt und die damit verbundene Mitverantwortung synodal eröffnet.
Glaube entfaltet sich, wenn wir mutig aufstehen, wo es nötig ist, und uns zugleich beugen vor Gott – so wie Dorothee Sölle es zeitlos beschrieben hat.